Liebesobjekte & ihre Geschichten

Hat Dir schon einmal jemand «ICH LIEBE DICH» vor Deine Haustüre gesprayt oder gar an Deine Schlafzimmerwand?

Hast Du schon einmal eine Cocktail-Tomate per Post erhalten?

Einen Fenchel mit Amorpfeil?

Eine Schachtel voll mit „Prinzessin» aus Zeitungen ausgeschnitten?

Stand schon einmal eine «Abschiedskiste» vor Deiner Haustür nach Beendigung der Beziehung?

Anderen ist dies ist passiert!

Was ist Dein schönster, wichtigster (oder auch skurrilster) selbst hergestellter Gegenstand, den Du besitzt oder jemandem geschenkt hast?

Auf diesem Blog sammle ich die Gegenstände, die Menschen viel bedeuten – von der Bastelei bis zum Kunstwerk – und gebe den wunderschönen, witzigen, bisweilen traurigen und 100 % authentischen Liebes-Geschichten Raum, erzählt zu werden.

Für jeden Liebhaber eine Kiste – 
Was tun mit all den Gegenständen aus der Vergangenheit und den Erinnerungen?

Im Laufe meines Lebens wurde ich reich beschenkt: Zuneigung zeigten wir Freunde uns in den 80ern/90ern durch selbst gestaltete Aufmerksamkeiten. Und was habe ich da nicht alles bekommen! Auch ich selbst habe gebastelt, was das Zeug hält, und ebenso viele aufwendige Liebes-Geschenke und Kunstwerke erhalten. Alle Objekte habe ich seit meiner Jugend aufgehoben und sorgsam in Kisten verstaut.

Später kamen die Liebesbeziehungen hinzu und für jeden verflossenen Liebhaber eine Schachtel – je nach Intensität und Länge der Beziehung unterschiedlich groß. Nach Beendigung der Liebschaft zugeklebt und Jahre unbesehen im Keller platziert.

Ich hatte mich nie von den sieben Umzugskisten mit „Andenken“ trennen können.
„Was tun damit?“, fragte ich mich zum etwa 10. Mal vor einem Umzug. „Wegschmeißen?“ Was sollte ich noch mit den Sachen und was war da überhaupt drin in den Kisten?

Eines Nachmittages öffnete ich die bis zu 20 Jahre verschlossenen Pakete und verbrachte Tage und Wochen mit dem Stöbern und Lesen. Ich amüsierte mich prächtig! Das war wie kramen in geheimen Schubladen, lesen in einem Jugendroman, analysieren meiner eigenen Psyche anhand von unzähligen Geschenken, Briefen, Schnipseln.

Drei zufriedene Monate lang schrieb ich die Geschichten der Artefakte auf. Es ergab schließlich einen Sinn, warum ich alles aufgehoben hatte! Mir wurde klar, dass diese Gegenstände mein Leben ausmachten:

Jedes noch so banale Ding, das ich über Jahrzehnte aufbewahrt hatte, war liiert mit einer Liebesgeschichte!

Etwa die Geschichten meiner Handvoll Freundschaften, derer ich mich seit fast 30 Jahren glücklich schätzen kann, oder die gebastelten Geschenke meiner jüngeren Brüder und eben die, der Männer meines Lebens.

Auch den ersten Liebesbrief, den ich in meinem Leben erhalten habe, hatte ich aufgehoben: „Du bist bis jetzt meine größte Liebe“, geschrieben von einem 12-Jährigen.

Liebesbrief, Füller auf rosa Briefpapier. 18 x 13,5 cm, 1988

Liebesbrief, Füller auf rosa Briefpapier. 18 x 13,5 cm, 1988

Und wie sehr hatte ich geliebt!

Ich gab alles: unendlich viel Zeit, Energie und Kreativität für das perfekte Geschenk! – Nur die Liebe beflügelt zu all den mühevollen, zeitintensiven und intimen Kunstwerken!

Während meines Auslandsstudiums in Paris lernte ich an der Uni Alex kennen und verliebte mich. Wir verbrachten ein halbes Jahr gemeinsam, dann musste ich nach Deutschland zurück. Social Media gab es noch nicht – kein Skype etc. und die Sehnsucht war groß. Die Semester-Ferien konnten wir endlich zusammen bei mir in München verbringen. Wir lebten dann zwei Monate in meiner Ein-Zimmer-Wohnung. Die Trennung fiel uns jedes Mal sehr schwer. Um ihn an mich und unsere herrliche Zeit zu erinnern, begann ich, ihm zu seinem Geburtstag unser Zuhause in Miniatur in der Größe eines Schuhkartons nachzubauen: Streichhölzern entfernte ich ihren Kopf und legte den Parkett mit ihnen aus. Ich nähte die Retro-Coach, die wir aus einer Haushaltsauflösung erstanden hatten, aus grünem Kord-Stoff nach, den Kronleuchter formte ich aus Fimo (eine Knetmasse, die beim Backen im Ofen härtet und beständig bleibt). Zwei Wochen bastelte ich inbrünstig und voller Liebe. Er nahm das Werk schließlich glücklich nach Paris mit.

Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe, 2014, S. 261.

Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe, 2014, S. 261.

Jeder Mensch hat eine Liebesgeschichte erlebt. Und wenn die Menschen sie erzählen, strahlen sie. 

Ich fragte mich schließlich, wie andere mit all den Erinnerungsstücken umgingen und begann, nach dem schönsten, wichtigsten oder auch skurrilsten Liebesobjekt und dessen Geschichte zu fragen:

„Hast Du irgendeinen Gegenstand, an dem Du besonders hängst, etwas selbst Hergestelltes? Hast Du schon einmal für jemanden etwas besonders Aufwendiges kreiert oder etwas selbst Gebasteltes erhalten?“

Ich schaltete die Annonce in der Süddeutschen Zeitung:

Süddeutsche Zeitung 1/2015

Anzeige in Süddeutsche Zeitung vom 6.12.2014, Rubrik „Verschiedenes“

Ich erhielt noch drei Monate, nachdem die Anzeige erschienen war, Anrufe und E-Mails: „Wie schön, dass sich jemand dafür interessiert!“

Viele bedankten sich bei mir, dass ich den Anstoß gegeben hatte, sich noch einmal an die eigenen Liebeserlebnisse zu erinnern.

Wenn auch manche Lieben vergangen waren, es macht Menschen glücklich, eigene intensive Gefühle wachzurufen.

Werter Leser, habe also viel Spaß beim Lesen der Liebesgeschichten – humorvoll, skurril, berührend und 100 % real!

Und: Vergiss die Liebe nicht!

Und was ist Deine Geschichte?

Auch Du hast noch Andenken? Möchtest Du MITMACHEN?

Luise